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Lies oder stirb!

21 April 2015,   By ,   0 Comments

Bücherwurm-content Immer häufiger fragen mich Leute, ob ich nicht einen Texter-Workshop anbieten möchte, um ihnen das Werbetexten beizubringen.

Ich fühle mich geehrt, aber ich muss sagen: In mir sträubt sich etwas dagegen.

Sicher gibt es viele Tricks und Faustregeln, die beim Texten für Webseite, Flyer und Co. helfen und aus einem guten Text hervorragenden Content machen.

Aber meine Überzeugung ist:

Das Texten fängt beim Lesen an.

Es kann nur das aus dir rauskommen, was du vorher in dir aufnimmst.

Wenn jemand täglich „Heute“ und „Österreich“ liest und seine Lieblings-TV-Sendungen DSDS und GNTM sind, dann wage ich zu behaupten, dass er oder sie nie eine geistig anspruchsvolle Headline schreiben wird.

Da hilft kein Texter-Workshop der Welt.

Ich habe da ein paar Jahre Vorsprung.

Ich war schon immer eine Leseratte. Ich habe Literaturwissenschaften studiert, weil ich so viel Weltliteratur wie möglich lesen wollte. Von Julius Caesar über italienische Minnelyrik bis zu postmodernen, philosophischen Diskursen habe ich so einiges gelesen.

Dabei habe ich trainiert, komplexe rhetorische Figuren zu analysieren und auch lange, unübersichtliche Texte schnell zu begreifen und zusammenzufassen.

Das hilft mir ungemein, wenn ein Kunde auf mich zukommt, der Struktur in seine Webinhalte bringen will. Es ist wie damals, beim Übersetzen eines langen, lateinischen Schachtelsatzes.

Book-stairsIch sehe den roten Faden.

Ich teile die Inhalte in kleine Einheiten, und gebe ihnen gedanklich eine neue, sinnvolle Ordnung.

Ich übersetze Chaos in verständliche Aussagen. Ich veranschauliche abstrakte Prozesse mit konkreten Beispielen.

Dabei gebe ich auch Empfehlungen, wie man den Besucher so durch die Webseite führen kann, dass ein dramaturgischer Spannungsbogen entsteht, der in eine Handlungs- bzw. Kaufaufforderung („Call to action“, wie man das im Marketing-Deutsch nennt) mündet.

Wir lieben, was wir kennen.

Je mehr man liest, hört und sieht, umso größer der eigene Wortschatz. Und umso größer das Repertoire an hervorragenden Inhalten, auf die man anspielen kann.

Es muss nicht immer Goethe sein.

Ein Slogan kommt besonders gut an, wenn er ein dem Leser bekanntes Muster wiederholt, wie z.B. mein Claim für eine Lampenfirma: „Die helle Seite der Nacht“. Den verstehen nicht nur Star Wars-Fans.

Es gibt auch stumme Bücherwürmer.

Andererseits gibt es auch viele belesene Menschen, die niemals schreiben. Warum?

Haben sie wirklich keine Ideen?

Oder ist es vielleicht eher eine Frage des Selbstbewusstseins?

Hast du eine eigene Stimme?

Traust du dich, deine Meinung öffentlich niederzuschreiben?

„Es wurde schon alles gesagt, nur nicht von jedem“, heißt es immer so schön.

scribbled-starsWer hat das bereits vor dir so ähnlich oder gar besser geschrieben?

Wie werden die Leute auf dich reagieren?

Willst du wirklich diese Stellung beziehen? Dich verletzbar machen? Deine eigenen Gedanken der oftmals achtlosen Kritik Anderer aussetzen? (Denn ja, die kann verdammt wehtun.)

Ich glaube, das sind die wahren Fragen, die hinter dem „Schreiben oder nicht Schreiben“ stehen.

Vielleicht werde ich dazu mal einen Workshop geben.

Würdest du dich anmelden?

 

Urheberrecht Bilder:

1) http://de.123rf.com/profile_geraktv (bearbeitet von Mel)

2) http://de.123rf.com/profile_dimdimich

3) http://de.123rf.com/profile_blue67


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